Die Sage von der Angara
Die Angara war die Lieblingstochter des alten Baikal. Der Alte liebte die Angara sehr, aber er wollte sie niemandem zeigen, sie sollte nur ihm gehören.
Eines Tages hörte die Angara dem Gespräch zweier Vögel zu. Die Vögel saßen auf einem Felsen und sprachen von einem schönen Jüngling, der nicht weit von hier lebte. „Dieser Jüngling, der Enisej heißt, ist sehr wunderschön und sehr stark“, so sagten die Vögel. „Er kommt aus den Bergen, die mit Schnee bedeckt sind. Mit aller Kraft bricht sich der Enisej seine Bahn durch Felder und Felsen zum hohen Norden, zum nördlichen Eismeer.“
Die Angara wollte diesen schönen Jüngling sehen. Tag und Nacht dachte sie an ihn. Endlich beschloss sie zum Enisej zu fließen. In dunkler Nacht, als der alte Baikal schlief, lief das Mädchen zum Baikalsee. Sie durchquerte den See und hatte schon fast das andere Ufer erreicht. Plötzlich erwachte der Alte. Er begann Steine ins Wasser zu werfen. Aber seine Tochter hatte keine Angst vor ihm und lief weiter.
Da warf der alte Baikal einen großen Felsen ins Wasser. Der Felsen versperrte der armen Angara der Weg. Sie wollte aber nicht zurück. Mit ihren letzten Kräften lief sie um den Felsen herum und durch Berge und Wälder weiter. Der schöne Enisej wartete auf die Angara und machte mit ihr zum nördlichen Eismeer. Der alte Baikal konnte seine Tochter nicht halten. So stark ist die Liebe des Mädchens. So erzählt die Sage. Der Felsen heißt „die Schamanenfelsen“. Buryaten haben ihn so genannt.












